07.10
Ist es nicht seltsam dass wir vom glück glauben wir hätten es verdient aber vom Unglück denken es wäre nicht gerecht?
Ist es nicht seltsam dass Erfahrungen die wir vergessen wollen uns am längsten in Erinnerung bleiben aber Momente die wir festhalten möchten so schnell an Deutlichkeit verlieren?
Ist es nicht seltsam dass wir darauf bestehen für eine Sache kämpfen zu dürfen es aber als lästig empfinden um etwas kämpfen zu müssen?
Ist es nicht seltsam dass wir in guten Zeiten so voller Optimismus sind in schlechten Zeiten uns aber jegliche Zuversicht fehlt?
Ist es nicht seltsam dass das Gegenteil von Liebe die Gleichgültigkeit ist das Gegenteil der Gleichgültigkeit aber auch der Hass sein kann?
Ist es nicht seltsam dass wir ein Leben lang das glück in der liebe suchen anstatt das Leben zu lieben und darin unser Glück zu finden?
Ist es nicht seltsam dass wir Freudentränen genauso schmecken wie die aus Schmerz und Kummer sie unserem Leben aber einen völlig anderen Geschmack verleihen?
Ist es nicht seltsam dass wir es genießen wenn wir alleine sein können aber daran verzweifeln wenn wir allein sein müssen?
Ist es nicht seltsam wenn wir von angenehmen Dingen nie genug bekommen können aber beim Unangenehmen sofort die Grenze erreicht ist?
Ist es nicht seltsam dass alles gegeben zu haben immer noch zu wenig ist und nichts zu bekommen einen irgendwann zu viel wird?
Ist es nicht seltsam dass wir viele Dinge erst richtig sehen wenn wir unsere Augen schließen und manchmal ein dunkler Schatten etwas erst ins rechte Licht rückt?
Ist es nicht seltsam dass man etwas finden kann ohne danach gesucht zu haben und dass all diese fragen eigentlich auch antworten sind?




Zu 1: Man sollte das vielleicht im Verhältnis sehen. Das Unglück ist allgegenwärtig und ereilt uns viel zu oft. Gerecht hin oder her; wir haben uns das Glück einfach für hin und wieder verdient.
Zu 2: Ja, das ist nicht fair. Permanent träumt man von schlechten Dingen und die verfolgen uns sogar im wachen Zustand. Wenn man hingegen etwas gutes träumt, wünscht man sich kurz nach dem Aufwachen, es wäre beständiger als die Realität, die einem tatsächlich erwartet. Kurz darauf ist es verschwunden und es bleibt nichts als eine Ahnung von dem, was sein könnte. Bullshit hoch zehn.
Zu 3: Wo ist der Unterschied, um eine Sache kämpfen zu müssen oder zu dürfen? Wenn schon um etwas Kämpfen, dann nur, weil man glaubt, man hätte es verdient (siehe Punkt 1). Und in dem Fall gehen “müssen” und “dürfen” einfach Hand in Hand. Eine Option, die eigentlich keine ist, weil man sie ergreift, so oder so.
Zu 4: Da gibt es einen Ausdruck für: Manische Depression. Ich kann da ein Lied von singen und glaube, irgendwie, wenn auch nur leicht, oder weil es durch äusserliche Einflüsse nicht anders geht, sind einfach alle bipolar gestört.
Zu 5: Als das Gegenteil von Liebe habe ich eigentlich nie Hass empfunden. Eher Art Selbsthass. Also strenggenommen eine verschärfte Form von Gleichgültigkeit sich selbst gegenüber. Irgendwo also ein Mittel um nicht hassen zu müssen, das der Liebe allerdings somit wieder ziemlich nahe kommt. Wenn man nichtmal fähig ist, anständig zu hassen, dannist die Liebe stärker in einem, als einem überhaupt lieb ist, denke ich mal.
Zu 6: Nein, verdammt, das ist doch nur natürlich. Ein Leben kann man auch allein bestreiten, zur Liebe gehören allerdings immer zwei. Was das Leben auch irgendwie erst liebenswert macht. Es sei denn, man hat ein haushoches Ego.
Zu 7: Ich bin der festen Überzeugung, das Freudentränen anders schmecken. Vielleicht ist das so’n Psychoding aber Freudentränen schmecken nach mehr, schmecken nach morgen, schmecken wie alles Schöne, was man viel zu selten schmecken darf; verheißungsvoll. Tränen der Trauer schmecken viel zu bekannt. Schmecken wie Jägermeister. Von gestern.
Zu 8: In dem Moment, in dem wir das Alleine sein genießen, sollten wir uns schonmal darauf einstellen, zu verzweifeln, allein sein zu müssen. Froh zu sein, “endlich mal seine Ruhe zu haben” ist oft der Anfang vom Ende.
Zu 9: Nee, also das ist der einzige Punkt, wo ich bedingungslos zustimmen kann. Die erste Nacht mit einem gelibten Menschen verbringen ist sehr angenehm; wenn man sich die abgebrochene Ecke des Gemüsefachs im Kühlschranks zwischen Daumen und Zeigefinger rammt ist das echt unangenehm. Ich finde da jetzt nichts seltsames dran und gehe über
Zu 10: Alles zu geben reicht einfach oft nicht. Leider viel zu oft. Siehe Punkt 1.
Zu 11: Punkt 2, 7, 8… Langsam deprimiert mich dieser Blog-Eintrag. Schreib lieber nochmal was über Eels oder dieses Ghostbusters-Videospiel, daß ich leider nie spielen werde.
Zu 12: Ist seltsam. Kommt allerdings auch viel zu selten vor. Manchmal sucht man auch nach etwas und weiß erst, nach was, wenn man es gefunden hat. Bei Antworten funktioniert das ebenfalls sehr gut. Nur erschwert es einem manchmal auch, wenn man die Fragen schon kennt.
(Sorry wegen dieses Beitrags; Schadensansprüche gehen an diese schöne kleine Strandbar mit der relativ vernünftigen Preispolitik, was Weizenbier angeht)
zu 4. Willkommen im Club…
zu 8. Das sehe ich nicht so, ich denke jeder braucht mal eine Auszeit, eine Zeit in der er über sich und/oder seine Situation nachdenkt. Wer immer unter Menschen ist kann das nicht.
Ein Zitat von Arthur Schopenhauer lautet: „Ganz er selbst sein darf jeder nur, solange er allein ist. Wer also nicht die Einsamkeit liebt, der liebt auch nicht die Freiheit; denn nur wenn man allein ist, ist man frei!“
Ich denke in gewisser Weise hat er damit Recht. Das Problem ist, wenn man sich zu lange abschottet wird man wirklich Einsam. Aber das ist wohl eher ein Problem das aus Punkt 4 resultiert.
zu 11: Aber es ist doch so, oder etwa nicht? Viele Dinge erkennt man erst wenn man ganz unten ist, vorher hat man keine Zeit oder keine Lust darüber nachzudenken.